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Der Limes-Abschnitt Pohl

Zeichnung des Limesquerschnitts

Nachdem Gaius Julius Caesar im Anschluss an die Eroberung Galliens zweimal Pionierbrücken über den Rhein gebaut hatte (55 und 53 vor Christus), bemühten sich die Römer lange Zeit, auch das rechtsrheinische Gebiet unter ihre Kontrolle zu bekommen. Nach mehreren Versuchen, die Grenze bis an die Elbe auszudehnen, und spätestens nach der verlustreichen „Schlacht im Teutoburger Wald“ im Jahre 9 n.Chr. änderten die Römer ihre Taktik. Nach ihrem Sieg über die Chatten und der Zwangsumsiedlung einiger hier heimischer Germanenstämme begannen sie etwa 80 n. Chr. mit dem Ausbau der Grenze, um auch das Hinterland vor Überfällen der Germanen zu schützen.

Der Limes in unserer Heimat bestand in seiner letzten Ausbauphase aus Palisaden, Graben, Wall und Wachttürmen. Das gesamte System Wall und Graben hatte mit den Türmen zusammen eine Breite von ca. 60 m. Die Breite des Grabens betrug etwa 6 bis 8 m, die Breite des Walles 11-13 m, der Abstand zwischen Palisade und Graben etwa 2 m. Grabentiefe und Wallhöhe betrugen je 2,50 m. Die also über 5 m hohe Anlage war zwar nicht unüberwindbar und lud immer wieder einmal Germanenhorden zu kleinen Raubzügen ein. Insgesamt aber brachte sie dem Hinterland eine lange, fast 150 Jahre währende Friedensperiode. Aufgegeben wurde der Limes erst um 260 n.Chr., als im Zuge der Völkerwanderung immer mehr Germanenstämme gen Westen in Bewegung gerieten und die Römer dem Druck der Übermacht nachgeben mussten.

Am Ende des 19. Jahrhundert machte sich die 1892 gegründete Reichslimeskommission daran, die Spuren des Limes in unserer Heimat zu erforschen und zu sichern - ab 1898 unter der Leitung von Ernst Fabricius, Professor für Alte Geschichte an der Universität Freiburg. Ihm verdanken wir die wichtigsten Erkenntnisse über den Limes-Abschnitt Pohl.

Der Limes erreicht von Hunzel kommend die Gemarkung Pohl im Wald. Wo der Waldweg heute aus Südwesten kommend den Limes schneidet, war auch in römischer Zeit ein Walldurchgang. Hier haben nacheinander zwei Holztürme und ein Steinturm gestanden, letzterer ca. 10 Meter vor den Palisaden. Die Flurbezeichnung "Am Landgraben" erinnert hier noch an den Limes, der parallel zum Waldrand gut erhalten der Bäderstraße zustrebt.

Im Feld hinter dem Pohler Neubaugebiet, 100 Meter vom versteinten Waldrand entfernt, legte Fabricius 1897 das Fundament eines Steinturms frei. Es hatte ein Maß von ca. 5,40 m im Quadrat. Bei dem ca. 85 cm dicken Mauerwerk fand man allerlei Kulturreste, Kohlen, Aschen, Scherben und einen durchlochten Dachschiefer. Knapp vorr dem Ortseingang Pohl überschreitet der Limes, dessen Spuren im beackerten Feld längst verschwunden sind, die Bäderstraße. Die Funde vor und hinter Pohl waren eindeutig und aufschlussreich, die Existenz des immer vermuteten Kleinkastells Pohl konnte aber zunächst nicht nachgewiesen werden. Historiker und Militärgeographen waren sich sicher, dass hier mindestens ein Kleinkastell gestanden haben musste, da Pohl an einem militärisch wichtigen Punkt lag. Zum einen knickte gerade hier der Limes fast rechtwinklig auf der Wasserscheide ab und vergleichbare andere Stellen am Limes waren immer mit Kleinkastellen gesichert; zum anderen traf hier der Grenzgraben auf eine alte, wichtige Heerstraße.

Die ersten Spuren für das Kastell fand Fabricius am letzten Tag der Ausgrabungen 1897, dann nach gründlichen Untersuchungen wieder im August und September 1903. Das rechteckige Erdwerk mit gerundeten Ecken war etwa 43 m x 34 m groß und lag so vor dem Kuppenhöhepunkt des Alten Friedhofs, dass die Nordwestkante etwa im Lollschieder Weg lag. Außerhalb fand man weitere Mauer- und Fundamentreste und auch weitere Spitzgräben, ca. 2,00 bis 2,20 m tief. Kleinkastelle hatten vor allem die Aufgabe, die Lücken in der Grenzüberwachung zwischen den größeren Kastellen zu schließen und den dort eingesetzten Soldaten lange Wege zu ersparen. So wurden also von hier aus die umliegenden Limesdurchgänge überwacht, die Grenzstreifen eingesetzt und die Wachtturmbesatzungen ausgewechselt. In ruhigen Zeitabschnitten bedeutete dieser Dienst Personen- und Warenkontrolle; in Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen zog man verstärkt Truppenteile in den Kleinkastellen zusammen, um sie grenznah parat zu haben. In Kleinkastellen standen normalerweise, je nach der Situation an der Grenze, nur Zelte, in Pohl aber sind fest Gebäude nachgewiesen.

Nach dem Kleinkastell Pohl mit seinem Wachtturm und Limesdurchlass bog der Limes fast rechtwinklig nach Süden zum "Pohler Wäldchen" am Pohler Stich ab. Im gesamten Verlauf des Waldes wird der Limes auf einer Länge von etwa 600 Metern wieder gut sichtbar. Wenn die Höhe, wie man annehmen muss, im Vorfeld des Limes zu römischer Zeit kahl und unbewaldet war, so hatte man vom hiesigen Wachtturm aus Blickverbindung mit dem Kastell in Holzhausen und Aussicht auf die Talhänge am Hasenbach sowie über die gesamte Pohler Senke.

Auf der Höhe, wo der Limes sehr gut erhalten ist, wirkt der Waldboden unruhig und bewegt. Da sind noch die Fundamentmulden bzw. Schutthügel eines steinernen Wachtturmes und einer Holzturmanlage, da sind die Reste eines vorrömischen Grabhügels zu finden, der in den Limes mit eingebunden war, und da sind auch noch Spuren der letzten Grabungen. Vom Steinturm ist im Boden ein 30 cm hohes und 80 cm starkes Mauerwerk erhalten. Möglicherweise wurde die Anlage hier bei Kampfhandlungen abgebrannt, denn der Boden war durch Hitze gerötet. Die Arbeiter hatten bei den Ausgrabungen den Eindruck, "als ob das Zeug brennend in den Graben reingeschmissen und darin verkohlt wäre; gerade wie wenn ein altes Haus abgebrannt ist und der Keller ausgeräumt wird".

Der Limes-Abschnitt Pohl ist mittlerweile von der Ortsgemeinde gut einsehbar gemacht und informativ ausgeschildert worden. Auch ohne das Kleinkastell, für dessen Rekonstruktion in Pohl die Pläne schon weit gereift sind, ist der Limes-Abschnitt Pohl eine Einladung an alle, die sich für die Geschichte und Kultur unserer Landschaft interessieren.

Limesrekonstruktion bei Neuhof im Taunus So wie bei dieser Rekonstruktion bei Neuhof/Ts. muss es auch am Landgraben-Wald in Pohl einmal ausgesehen haben.

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