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Die evangelische Kirchengemeinde

Die evangelische Kirchengemeinde Pohl gehört neben Lollschied, Roth und Niedertiefenbach Skizze der evangelischen Kirche zur evangelischen Kirchengemeinde Niedertiefenbach.

Die dortige Kirche gehört zu den ältesten Kirchen im Lahngebiet. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1185. Aus dieser Zeit des "romanischen Mittelalters" stammen die Fresken auf der Empore und die Apostelfiguren rechts und links des Chorfensters. Um 1585 ist die Taufschale angefertigt worden. In der Zeit des Barock ist die Kirche erweitert und umgebaut worden. Aus dieser Zeit stammt die Orgel (1752), von dem Orgelmacher Johann Wilhelm Schöler in Bad Ems gebaut. Die Bilder auf der Vorderseite stellen Moses und Aaron dar. Der "Zimbelstern" mit seinem Glockenspiel ist typisch für die Barockzeit. Decke, Säulen und Balustraden sind ebenfalls barock, erneuert und aus Bruchstücken ergänzt bei der Renovierung 1962. In diesem Jahr wurde die Kirche gründlich renoviert. Der neuzeitliche Altar, die Kanzel und das schöne Chorfenster bilden mit den Baustilen des romanischen Mittelalters und des Barock eine harmonische Einheit.

Die Eintragungen im Kirchenbuch beginnen mit dem Jahre 1598 und reichen bis heute fast lückenlos. Manches aus der Geschichte unseres Kirchspiels ist hier zu erfahren: Im Jahre 1597 wütete hier die Pest, es starben in Niedertiefenbach 28, in Pohl 164, in Lollschied 55 und in Roth 19 Personen, danach waren noch übrig: In Niedertiefenbach 11 Ehen, sowie 2 Witwer und 2 Witwen, zu Pohl 15 Ehen, sowie 2 Witwer und 1 Witwe, zu Lollschied 10 Ehen, sowie 1 Witwer und 4 Witwen, zu Roth 15 Ehen, sowie 2 Witwer und 3 Witwen. 26 Jahre später, 1613, starben an einer Epidemie abermals 147 Personen. Aus den unsicheren Zeiten des 30-jährigen Krieges, aus dem Jahr 1635, lautet eine Notiz:

"...konnte man nicht alle gestorbenen Personen zum hiesigen Friedhof bringen, da man unterwegs Misshandlungen zu befürchten hatte".

Im Juli 1796 wurde ein 25-jähriger junger Mann aus der Langenauer Mühle bei der Verteidigung eines Nachbarn in der Wolfsmühle durch den Schuss eines Franzosen tödlich verletzt, 1813 schleppten kranke Franzosen ein Nervenfieber ein, 40 Personen starben daran (Rückzug Napoleons aus Russland). Abgesehen von einer ganzen Anzahl kleinerer Brände ist der große Brand in Lollschied zu erwähnen. Am 22. August 1842 brach nachmittags um 2 Uhr durch Unvorsichtigkeit von Kindern das Feuer in der Mitte des Dorfes aus. Infolge der schon lange herrschenden Trockenheit griff das Feuer schnell um sich, 20 Häuser und 40 Nebengebäude verbrannten. Nur die Häuser an den drei Ortsausgängen waren zu retten. Menschen kamen nicht zu Schaden, aber sonst war der Verlust groß, der Schaden an Gebäuden wurde auf 18.000 Gulden, an Hausgeräten auf über 3.600 Gulden, an geernteten Früchten auf 7.000 Gulden geschätzt. Die herzogliche Regierung ordnete eine Kollekte im Amte Nassau und den angrenzenden Ämtern an, sie erbrachte 1.868 Gulden in bar, ferner große Mengen Frucht, Heu, Stroh und Brot, ja die Ämter Nassau und Nastätten lieferten auch Kleidungsstücke und Bettwäsche, ein Zeichen der allgemeinen Teilnahme, die sich den Betroffenen zugewandt hatte.

Auf Kirchenseite hat sich bis heute manches verändert. Schon seit den siebziger Jahren ist die Pfarrstelle in Niedertiefenbach nicht mehr mit einer eigenen Pfarrperson besetzt, sondern wird von Singhofen mitversehen. Pohl, der lange mehrheitlich katholische Ort unseres Kirchspiels, erlebt dabei, wie wichtig heute ökumenische Zusammenarbeit unter den Kirchen geworden ist. Viele konfessionsverbindende Ehen prägen dieses Dorf und zeigen Möglichkeiten und Herausforderungen, denen die Kirchen sich heute stellen müssen.

Pfarrer Andreas Steinebach

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