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geschichtlicher Überblick

Die ältesten Spuren in der Pohler Gemarkung stammen noch aus vorchristlicher Zeit. Die noch gut erkennbaren Hügelgräber an zwei Stellen im Pohler Wald, von dem aus man auch die Weiseler Höhe mit den Spuren einer keltischen Fliehburg einsehen kann, wurden von den keltischen Hirten, Jägern und Viehzüchtern angelegt, die unsere bewaldeten Höhen wohl als erste besiedelten. Die Gräber liegen in Sichtweite uralter Überlandwege. Ein Weg, der von Braubach über Dachsenhausen und Marienfels nach Osten führte, stieß hier auf einen zweiten, der aus dem Lahntal kommend über die Taunushöhen dem Rhein-Main-Gebiet zustrebte. Letzterer ist noch als "Alt Straß" gut sichtbar erhalten. Er diente auch der heutigen "Bäderstraße" als Anhalt, deren Bau aber erst um das Jahr 1800 herum von Napoleon veranlasst wurde. Die Wege hatten auch noch für die Römer noch große Bedeutung, und das mag der Grund für sie gewesen sein, sie beim Bau ihres Pfahlgrabens zu berücksichtigen. Dort wo die beiden Wege am heutigen Pohler Ortsrand zusammentrafen, konnte Professor Ernst Fabricius von der Reichslimeskommission 1903 ein römisches Kleinkastell nachweisen - und mit ihm ein paar Gebäudereste im Umfeld, die gewissermaßen die erste nachweisbare Besiedlung im Ortsbereich von Pohl darstellen. Pohl, das seinen Ortsnamen und sein Ortswappen direkt vom römischen Limes („Pfahlgraben“) herleitet, liegt unmittelbar an dieser knapp 2000 Jahre alten Grenze, die im Juli 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Schild zur 750-Jahr Feier

Von der Römerzeit bis zur urkundlichen Ersterwähnung , deren 750. Wiederkehr 1997 in Pohl angemessen gefeiert wurde, sollte aber noch ein ganzes Jahrtausend ins Land gehen. Dieses hat auf Pohler Boden keine erkennbaren Spuren hinterlassen. Im Jahre 1247 schenkt Graf Heinrich II. von Nassau die Kirche zu Niedertiefenbach mit den Kapellen von Pohl und Singhofen dem neu gegründeten Kloster Arnstein. In dieser Urkunde, deren Original sich in Köln befindet, wird Pohl erstmals urkundlich erwähnt. Aus dem Arnsteiner Besitz kommt Pohl an die Grafen von Katzenelnbogen und nach deren Aussterben 1479 an die Landgrafen von Hessen.

Die folgenden drei Jahrhunderte bringen Pohl zwar auch zeitweise ein gewisses Ansehen als Gerichtssitz und Hauptort der "Pohler Hube", zu der auch Lollschied, Roth, Niedertiefenbach und die Wüstung Wolfrade gehörten. Die arme Bevölkerung von Pohl erlebte aber auch immer wieder Jahre voller Krieg und tödlicher Krankheit, die sie schrecklich dezimiert und einmal wohl auch gänzlich ausgerottet haben. Mehrmals füllt der Zuzug von Katholiken aus den Dörfern am Mittelrhein, denen man freie Religionsausübung zugesagt hat, die Einwohnerschaft wieder auf.

Einen Aufschwung bringen der Jahre der Zugehörigkeit zum Herzogtum Nassau 1816 – 1866 sowie die anschließenden Jahrzehnte im Deutschen Kaiserreich. In den siebziger Jahren erhält Pohl seine eigene Volksschule und eine katholische Pfarrkirche. Ein kleines Neubaugebiet lässt den Ort in östlicher Richtung anwachsen. Landwirtschaftliche Selbstversorgung in jedem Haus, ein bescheidenes Handwerk, ein Backhaus, ein Kolonialwarenladen, eine Bäckerei und bald auch eine eigene Poststelle runden dörfliches Leben ohne unmittelbare Existenznot ab. Schule und Männergesangverein "Cäcilia" stehen für "Kultur" und sind fester Bestandteil im Alltag der Pohler Bevölkerung. So wie die Jahreszeiten und der Stand der Sonne den Rhythmus der von der Landwirtschaft abhängigen Menschen bestimmen, so tun dies auch die beiden Kirchen. Die Katholiken gehören mit ihrer 1875 errichteten Kirche zur "Katholische Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt" in Pohl, die Protestanten gehen als Evangelische Kirchengemeinde zu ihrer Mutterkirche nach Niedertiefenbach.

antikes Fuhrwerk

Das 20. Jahrhundert bringt zwei Weltkriege, die auch Pohl in Angst und Leid stürzen. 120 Pohler Männer ziehen in die beiden Kriege, 32 von ihnen kehren nicht mehr heim. Immerhin hält die zweite Hälfte des Jahrhunderts gewaltige Strukturveränderungen und ein Wirtschaftswunder bereit, dass auch hier für gedeckte Tische und eine gewisse Existenzsicherheit sorgt. Mit zunehmender Motorisierung sucht man sich Arbeitsplatz, Schulbildung, ärztliche Versorgung, Einkaufsmöglichkeit und auch Freizeitvergnügen immer häufiger im Umland, irgendwo zwischen Nastätten und Nassau, zwischen Koblenz, Limburg und Wiesbaden. Bald gibt es die eigene Pfarrei und die eigene Schule nicht mehr, auch der Kolonialwarenladen, die Post, der Schuster, die Bauunternehmer und die beiden traditionsreichen Gastwirtschaften sind bald verschwunden. Aus Gärten werden Rasen, aus Ställen Garagen. Kinder befördert man zu Kindergarten und Schulen nach Singhofen und Nassau oder noch weiter. Obwohl man in den sechziger Jahren die Flur bereinigt, die Feldwege asphaltiert und zahllose Bäume beseitigt hat, gibt es am Ende des 20. Jahrhunderts keinen einzigen landwirtschaftlichen Betrieb mehr in Pohl. Die Felder werden von Landwirten aus den Nachbargemeinden mitbestellt. Trotzdem gehören noch einige Kühe, gelegentlich Schafe und jetzt auch wieder Pferde zum Ortsbild. Das Gewerbe reduziert sich zuletzt auf etwa acht, durchaus leistungsfähige Betriebe mit ganz unterschiedlichen Angeboten. Mehrere Neubaugebiete haben das Bild des einstigen Straßendorfes verändert und gerundet. Sie ermöglichen Einheimischen die Aussiedlung an den Ortsrand und Fremden den Zuzug.

Bereits zur Kaiserzeit gehörte Pohl zum Unterlahnkreis, dessen Kreisverwaltung in Diez angesiedelt war. Das blieb auch so, als Teile des ehemaligen Nassauer Landes nach dem Zweiten Weltkrieg dem neuen Bundesland Rheinland-Pfalz zugeschlagen wurden. Als der Loreleykreis und der Unterlahnkreis zum Rhein-Lahn-Kreis zusammengelegt wurden, wechselte der Sitz der für Pohl zuständigen Kreisverwaltung 1972 nach Bad Ems. Seit Begründung der Verbandsgemeinden im gleichen Jahr gehört Pohl zur Verbandsgemeinde Nassau.

Im kulturellen Leben des Dorfes hatte insbesondere die 1874 gegründete und 1970 aufgelöste Volksschule eine Lücke hinterlassen. Diese Aufgaben verlagerten sich nun auf die Ortsgemeinde Pohl und die Ortsvereine. Trotz aller Höhen und Tiefen und ganz unterschiedlichem Engagement erzielten diese dabei mitunter bemerkenswerte, großartige und überregional gewürdigte Erfolge. Ortsvereine sind zur Zeit:

  • Der Männergesangverein "Cäcilia" 1889 Pohl e.V.
  • die Freiwillige Feuerwehr Pohl seit 1966
  • der Turn- und Sportverein Pohl e.V. seit 1969
  • sowie der Kirchenchor der Katholischen Pfarrgemeinde

Über Gesang, Sport und Geselligkeit hinaus haben sie sich auch der Pflege von Tradition und Dorfgemeinschaft verschrieben. Sie werden unterstützt von einer Gemeindeverwaltung, die stolz darauf ist, keine Schulden zu haben und die sich ihrerseits um die Verschönerung des Ortsbildes und die Verbesserung der Lebensqualität bemüht.

Wer sich darauf einlässt, kann noch an vielen Stellen in Pohl auf Spuren der Geschichte stoßen. Nicht zuletzt finden sie sich auch im Ortsnamen selbst und im Ortswappen.

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