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Die katholische Kirchengemeinde

Die Anfänge christlichen Glaubens in Pohl liegen im Dunkel der Geschichte. Nachgewiesen ist Christentum auf dem Boden der Pfarrei ab dem 13. Jahrhundert. In der urkundlichen Ersterwähnung von Pohl wird 1247 erstmalig eine Kapelle in Pohl erwähnt, die von Graf Heinrich II. dem Kloster Arnstein geschenkt wird.

Seither ist christliches Gedankengut in unserer Heimat belegt. Das älteste in Pohl erhaltene Original aus jener Zeit ist eine kleine Glocke aus dem Jahre 1445. Sie tat ihren Dienst in der oben genannten Kapelle und diente später auf dem Pohler Rathaus als Schulglocke. Heute begleitet sie die Verstorbenen zur letzten Ruhe. Durch die Glaubensspaltung wurden die Dörfer in der Gegend unter Landgraf Philipp von Hessen ab 1526 lutherisch. 1652 konvertiert Fürst Ernst von Hessen-Rothenburg-Katzenelnbogen zum katholischen Glauben und erlaubt Glaubensfreiheit. Darauf hin wird in Nastätten eine katholische Kirche gebaut, zu der von nun an auch die Pohler Katholiken gehören.

Skizze der katholischen Kirche Pohl erhielt durch Zuzug von Katholiken als einziges Dorf inmitten rein protestantischer Umgebung über etliche Jahrhunderte hinweg eine katholische Bevölkerungsmehrheit. Ab 1800 gab es große Anstrengungen bei den Pohler Katholiken, eine eigene Kirche im Ort zu bekommen. Die Franzosen, die damals für einige Jahre auch in der Niedergrafschaft das Sagen hatten, haben da wohl einige Hoffnungen genährt. 1871 überbringt schließlich eine Pohler Delegation dem Limburger Bischof Josef Blum eine entsprechende Bitte um Errichtung einer Missionsstation in Pohl oder Lollschied. Die Entscheidung fällt - sehr zum Verdruss anderer Gemeinden - für Pohl, das über die größte Anzahl von Katholiken verfügte und nun auch eine eigene Volksschule mit katholischem Religionsunterricht nachweisen konnte.

Mit Hilfe des Bonifatius-Vereins wurde bald darauf der Kirchenbau angegangen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 11. Juli 1874 auf dem Grundstück "Säugräben", das die Gemeinde Pohl zur Verfügung gestellt hatte. Bei diesen Gräben, in die man bis dahin die Zuchtschweine zur Mast getrieben hatte, handelt es sich höchstwahrscheinlich um Reste der römischen Anlagen am Limes-Kleinkastell Pohl. Seitens der künftigen Pfarrgemeinde leitete der Pfarrvikar Hagemann den Bau. Als Architekt war Ferdinand Goldmann vom Bauamt Nassau tätig, der auch die Russische Kirche in Bad Ems und die im Krieg zerstörte Katholische Kirche in Nassau erbaut hat. Man setzte auf billigste Lösungen und auf ein Höchstmaß an Eigenleistung. Die Steine wurden am "Wäldcheskippel" an der Sommerbach gebrochen und wie alles andere von den Bauern auf Fuhrwerken herangefahren. Ein Großteil des Kircheninventars wurde erbettelt und gespendet. Die Einsegnung der Kirche erfolgte am 8. Juli 1875. Sie wurde 1891 mit Errichtung der Pfarrei Pohl Pfarrkirche für die Katholiken von Pohl, Lollschied, Roth, Nieder- und Obertiefenbach. Die Kirchenorgel von Johann Schlaadt als Waldlaubersheim wird 1887 eingeweiht.

Der Erbauer der Kirche, Pfarrvikar Hagemann, geht 1888 von Pohl weg nach Eschhofen. Als Nachfolger wird von Bischof Karl Klein Karl Ickenroth bestellt, welcher die Pfarrei 38 Jahre lang bis 1926 leitet. In seine Amtszeit fällt die Erhebung der Pfarrvikarie Pohl zur kanonischen Pfarrei. Er kümmert sich nicht nur um das Abtragen von Schulden, er zeichnet sich auch als Seelsorger aus.

Der Kulturkampf macht sich auch in Pohl bemerkbar. 1892 zeigt jemand den Pfarrer wegen des Abhaltens der Fronleichnamsprozession an. Die Angelegenheit geht durch mehrere Instanzen bis hin zum Berliner Kammergericht, welches die Rechtmäßigkeit der Religionsausübung feststellt.

1926 folgt auf Pfarrer Ickenroth Pfarrer Josef Menges. In seiner Amtszeit sind verschiedene herausragende Dinge im Leben der kleinen Pfarrei zu verzeichnen: Zwei Missionen 1929 und 1939, welche das religiöse Leben in Pohl stärken und festigen, und die Einrichtung einer Sozialstation mit der Niederlassung einer franziskanischen Schwesterngemeinschaft. Sie machte sich in der Kranken- und Altenpflege sehr verdient. Pfarrer Menges ist sehr bemüht, seine Pfarrei ohne Schaden durch die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges zu führen. Nach 28 Jahren als Pfarrer in Pohl wird er 1952 nach Filsen am Rhein versetzt.

Pfarrer Ernst Keidel folgt ihm im Amt nach. Wechselseitige Irritationen bei Pfarrer und Gemeinde führen zu beachtlichen Spannungen im Leben der Pfarrei und ihrer Mitglieder. 1959 verlässt Pfarrer Keidel Pohl und wird nach Löhnberg versetzt.

Die Pfarrei erhält keinen eigenen Pfarrer mehr. Pfarrer Johannes Hannappel, seit 1941 Pfarrer in Katzenelnbogen, übernimmt zusätzlich die Pfarrei Pohl. Trotz oder wegen seiner etwas dickschädeligen Art kommt er mit der Pohler Bevölkerung gut aus und verdient sich Achtung und Anerkennung. Die Pfarrei Pohl ist inzwischen auf ca. 250 Mitglieder angewachsen. Tatkräftig verändert er das Bild in und um die Pfarrkirche. Aber auch das innere Bild der Gemeinde ändert sich: Materieller Reichtum, Verlust bäuerlicher Strukturen und Kleinfamilie statt Großfamilie sind Entwicklungen, die für den Glauben nicht immer förderlich sein. 1972 geht Pfarrer Hannappel in den Ruhestand.

Nach dreimonatiger Vakanz folgt Winfried Debus als Pfarrer der Pfarrei Pohl. Als Mann der leisen Töne ist er für die Pfarrei eine ganz neue Erfahrung im Vergleich zu den Vorgängern. Ein Höhepunkt in seiner Amtszeit stellt gewiss die Jubiläumsfeier zum 100. Geburtstag der Pfarrkirche dar, die 1975 unter großer Beteiligung der Pfarrei durchgeführt wird.

In kürzeren Abständen folgen nun die Pfarrer. 1978 folgt auf Pfarrer Debus Kaplan Pfaff als Pfarrverwalter für einige Monate. In seiner fröhlichen Art ist er ebenfalls eine neue Erfahrung für die Pfarrei. 1979 wird Pfarrer Ludwig Janzen zum neuen Pfarrer in Pohl ernannt, der nicht nur Katzenelnbogen, sondern auch Zollhaus noch in Personalunion leitet: ein Aufgabenbereich, der auch trotz Zuteilung einer Gemeindereferentin groß bleibt; drei Pfarreien mit 33 Ortschaften sind eine Herausforderung an den Amtsträger. Kooperation mit den pastoralen Mitarbeitern ist notwendig und hilfreich. Auf Frau Thea Kuhmann folgen Schwester Adelheid Scheloske SAC, Frau Sigrid Ebert und seit 1991 Frau Ingetraud Schneider. Gleiches gilt für die Zusammenarbeit in den synodalen Gremien von Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat.

Viel wird von dieser Zeit an gemeinsam unternommen. Unter anderem werden die Traditionen von Pfarrfesten, Einkehrtagen, Sternsingeraktionen und gemeinsamen Fahrten begründet. 1985 ist wieder Pfarrerwechsel. Nach Pfarrer Janzen kommt Pfarrer Rainer Prade. Im Vergleich mit den anderen Pfarreien im Bistum kann sich Pohl sehen lassen: Circa 20 Prozent der Pohler Pfarrmitglieder sind regelmäßige Kirchenbesucher. Das Spendenaufkommen für die verschiedenen Nöte und Anliegen der Dritten Welt belegt, dass man weiterhin christliche Nächstenliebe praktiziert – und dies in weltweitem Rahmen. Seit einigen Jahren hat die Pfarrei im Gefolge der Kirchengemeinde Zollhaus eine feste Patenschaft mit der Diözese Faisalabad in Pakistan übernommen.

Äußerlich verändert sich einiges an der Pohler Pfarrkirche. 1985 erfolgt eine grundlegende Renovierung und Umstrukturierung des Pfarrhauses zum Pfarrheim. Danach erhält die Pfarrkirche 1989 einen neuen Außenputz. Die Innenrenovierung schließt sich 1991 an. Nach Originalbefund wird die Kirche neu ausgemalt. Spuren von Zwischenrenovierungen werden dabei konserviert und übermalt. Das Kreuz erhält eine neue adäquate Fassung. 1996 erhielt die Mutter-Gottes-Statue einen neuen Altar. 2006 wird ein Postament gestiftet, damit auch die vom gleichen Künstler gefertigte Herz-Jesu-Statue aufgestellt werden kann.

Eine ausführliche Studie zur Katholischen Pfarrgemeinde und zur Kirche erschien anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Pfarrei im Jahre 1991.

Am 09. Oktober 2005 wird Pfarrer Rainer Prade in Pohl verabschiedet. Pohl gehört zum Pastoralen Raum Katzenelnbogen. Das bedeutet, dass es neben dem Pfarrgemeinderat auch noch den Pastoralausschuss gibt, der die Belange der drei Pfarreien koordiniert. Pfarrgemeinderatsvorsitzende von Pohl ist seit 10. Dezember 2007 Frau Judith Schleimer, Hof Spriestersbach. Pastoralausschussvorsitzender ist Herr Harry Forst, Dörsdorf.

Seit 15. Oktober 2005 ist Bruder Friedrich Neumüller Pfarrer der drei Gemeinden. Er ist Mitglied der Jesus-Bruderschaft Gnadenthal, einer Ordensgemeinschaft, die sich aus evangelischen, katholischen und freikirchlichen Christen zusammensetzt. Johannes Stalf gehört seit 19. Januar 2007 als ständiger Diakon im Nebenamt zum pastoralen Team.

Die Zukunft der Gemeinde in Pohl wie die unserer Kirche ist nicht leicht zu benennen. Aber wir dürfen der Zusage vertrauen, dass Gott bei uns ist alle Tage bis ans Ende der Welt.

Pfarrer Bruder Friedrich Neumüller

Regelmäßiger Sonntagsgottesdienst: 08:30 oder 10:00 Uhr im Wechsel mit Katzenelnbogen

Regelmäßiger Werktagsgottesdienst: Donnerstag 18:30 Uhr (im Winter 17:30 Uhr)

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