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Kurzbeschreibung

Pohl ist eine noch ländlich strukturierte Taunus-Gemeinde im Naturpark Nassau mit etwa 340 Einwohnern. Sie liegt im Bereich des mittelalterlichen Einrich-Gaues und gehört heute zur Verbandsgemeinde Nassau und zum Rhein-Lahn-Kreis mit Sitz in Bad Ems.

Wo sich der Taunus nach Nordwesten zur Lahn hin langsam absenkt, wird die Landschaft von sanft gewellten Höhen bestimmt, in die sich Bachläufe tief eingegraben haben. Auf einem solchen Höhenrücken zwischen dem Mühlbachtal im Westen und den Tälern von Dörsbach und Hasenbach im Osten liegt Pohl - eingebettet in eine grüne, Wasser spendende Senke und umgeben von bewaldeten Höhen. Pohls wichtigste Verkehrsanbindung ist die Bundesstraße B260, die Koblenz und das Lahntal mit Wiesbaden und dem Rhein-Main-Raum verbindet. Kurorte wie Schlangenbad, Bad Schwalbach, Nassau, Bad Ems und Lahnstein und viele Mineralquellen haben dieser Straße den Beinamen " Bäderstraße" eingebracht. Als Gemeinde im früheren Grenzgebiet von Römern und Germanen identifiziert sich Pohl aber mehr noch mit der "Deutschen Limes-Straße", die seit 1999 durch den Ort führt. Pohl, das seinen Ortsnamen und sein Ortswappen direkt vom römischen Limes ("Pfahlgraben") herleitet, liegt unmittelbar an dieser knapp 2000 Jahre alten Grenze, die im Juli 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Seither ist Pohl verstärkt in den Blickpunkt öffentlichen Interesses geraten. Immer häufiger kommen Wanderer und Radfahrer, historisch Interessierte und auch Einheimische und Nachbarn hierher und lassen sich die Spuren der Vergangenheit erklären. Und – manchmal auch kontrovers – wird das für Pohl so wichtige Vorhaben des Landes Rheinland-Pfalz diskutiert, hier mit der Wiedererrichtung eines Kleinkastells ein Informationszentrum zu schaffen.

Größenordnungen werden in Zahlen deutlich: Die Einwohnerzahl Pohl war lange recht konstant und habt sich erst im vergangenen Jahrhundert deutlich nach oben entwickelt. Mit 362 Einwohnern (Stand 30.06.2006) ist Pohl heute doppelt so groß wie vor zweihundert Jahren. 193 Haushalte sind registriert. Mit etwa zwei Dritteln Katholiken und einem Drittel Protestanten hob sich Pohl über Jahrhunderte hinweg von seinen ganz protestantisch geprägten Nachbardörfern ab. Erst in den neunziger Jahren dieses Jahrhunderts wich dieses Verhältnis umzugs- und zuzugsbedingt einer Parität. Zum o.a. Stichtag waren 160 Protestanten und 133 Katholiken gemeldet. Mittelpunkt im Leben der Katholischen Pfarrgemeinde "Mariä Himmelfahrt", die gemeinsam mit den Pfarreien von Katzenelnbogen und Zollhaus von einem Pfarrer betreut wird, ist die markante Katholische Pfarrkirche aus dem Jahre 1875. Für die Evangelische Kirchengemeinde ist die kleine mittelalterliche Kirche von Niedertiefenbach die so genannte Mutterkirche.

Die geographische Höhe Pohls wird an der markanten Kreuzung von Bundesstraße und Ortsstraßen vor der Katholischen Pfarrkirche mit 330m über NN angegeben. Die Gemarkungsgröße beträgt 423 ha. Nach dem Stand des Pohler Jubiläumsjahres von 1997 waren davon 44,7 % landwirtschaftlich genutzte Flächen, 5,9 % entfielen auf Verkehrsfläche, 2,1 % auf Gebäude- und Freifläche und 0,5 % auf Wasserflächen (Dörsbach, Hasenbach, Sommerbach und Hauserbach mit Nebenbächen und Aufstauungen). Mit 45,3 % oder 192 ha aber hatte und hat der Wald den größten Einzelanteil an der Gemarkung. Davon liegen etwa 91 ha als Waldenklave am sogenannten "Pohler Berg" bei der Gemeinde Roth. Forstlich wird der Pohler Wald seit 1976 gemeinsam mit dem von Singhofen, Lollschied, Attenhausen, und Seelbach vom Forstrevier Singhofen betreut. Damit liegt der Pohler Wald nun, nachdem er lange zum Forstamt Katzenelnbogen gehört hatte, im Forstamtsbezirk Nassau. Der Pohler Wald, jahrhundertelang Stolz und wichtigste Einnahmequelle der Gemeinde, erholt sich derzeit von den schlimmen Schäden, die er bei den Windwurfkatastrophen der Jahre 1984 und 1990 erlitten hatte.

Interessant ist ein Blick in die Heimatgeschichte des Dorfes. Die Hügelgräber und alte Wegeführungen in der Gemarkung gehen zwar noch auf die Kelten im vorchristlichen Jahrhundert zurück, mit den Limes-Resten im Pohler Wald und mit dem Ortsnamen haben aber die Römer die deutlicheren Spuren hinterlassen. Daran und auch an die späteren Herrschaftshäuser Nassau, Katzenelnbogen, Hessen und noch einmal Nassau erinnert auch das Pohler Ortswappen. Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte – gemessen an der römischen Vergangenheit – erst vergleichsweise spät, nämlich anlässlich einer Schenkung an das Kloster Arnstein im Jahre 1247.

Das ausgehende 20. Jahrhundert hat auch in Pohl zu gewaltigen Strukturveränderungen - zu den umfassendsten in seiner Geschichte überhaupt – geführt. Bis in die sechziger Jahre hinein gab es in jedem Haushalt eine landwirtschaftliche Selbstversorgung über Äcker, "Placke", Gärten und Tierhaltung. Heute werden die Felder und Wiesen fast ausschließlich von einigen wenigen Großbauern aus den Umlandgemeinden bestellt. Neubaugebiete haben den alten Ortskern erweitert und abgerundet. Im Vergleich zu den zahlreichen kleinen landwirtschaftlichen und handwerklichen Betriebe der Vergangenheit ist heute die Zahl der Gewerbebetriebe eher gering. Sie sind von ganz unterschiedlicher Art und Größe, aber durchaus leistungsfähig und beachtenswert.

Auch im kulturellen Leben des Dorfes hat der Strukturwandel seine Spuren hinterlassen - insbesondere durch das Verschwinden so zentraler Einrichtungen wie der Pohler Volksschule, die von 1873 bis 1970 bestand. Kulturelle Verantwortung tragen heute neben der Gemeinde und den Kirchen vor allem die großen Ortsvereine, die trotz aller Höhen und Tiefen und ganz unterschiedlichem Engagement auf bemerkenswerte Erfolge zurückblicken können:
Der Männergesangverein "Cäcilia" 1889 Pohl e.V., die Freiwillige Feuerwehr Pohl seit 1966, der Turn- und Sportverein Pohl e.V. seit 1969. Außerdem gibt  es den Kirchenchor der Katholischen Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt.

Der Freizeitwert von Pohl hat zunächst einmal ganz wesentlich mit der Art und Weise zu tun, wie die Menschen hier miteinander umgehen. Und natürlich mit dem örtlichen Veranstaltungskalender, dem Angebot also, das die Ortsvereine wöchentlich bzw. traditionell machen. Das seit 1922 jeweils am ersten Juli-Wochenende durchgeführte Waldfest des Männergesangvereins, die Mai-Wanderung des Turn- und Sportvereins zur romantisch gelegenen Uhusmühle im Hasenbachtal oder der große bunte Familienabend der Ortsvereine sind solche Veranstaltungen mit Tradition. Auch die Auseinandersetzung mit den reichlich vorhandenen Spuren der Vergangenheit hat in Pohl ihren Reiz. Kaum eine andere Gemeinde im Heimatgebiet dürfte ihre Geschichte derart gründlich aufgearbeitet haben wie Pohl. Eine umfangreiche Reihe heimatgeschichtlicher Schriften, ein Heimatarchiv und immer wiederkehrende Ausstellungen geben Zeugnis davon.

Pohl aus der Luft

(Foto: M. Crecelius, Niedertiefenbach)

In besonderem Maße aber ist es die Landschaft, die Pohl liebenswert macht: Wo sich am "Pohler Stich" der Blick weit ins Land öffnet bis hin zu den Bergen am Rhein und zu den Hängen des Westerwaldes, und wo sich am "Sieben-Täler-Blick" ein Panorama von den Gelbachtal-, Lahntal- und Jammertalhängen bis zum "Grauen Kopf" bei Holzhausen bietet, dort fühlt man sich "natürlich" zum Spazieren und Wandern eingeladen. Wer mit offenen Augen durch Pohl geht, kann zwischen dem ehemaligen Forsthaus am alten Friedhof und der schönen Grillhütte an der Steinkaut in der Tat noch eine Menge entdecken. Zwischen dem benachbarten Hauserbach-Stausee von Miehlen und den Mühlen am Hasenbach oder bei den Hügelgräbern und Limesresten im Pohler Wald kann man noch tief in die noch weitgehend intakte Landschaft des alten "Einrichgaues" eintauchen.

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