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Der Männergesangverein "Cäcilia" 1889 Pohl e.V.
750 Jahre Pohl mit mehr als einem Jahrhundert Männergesangverein - sie bezeugen eine enge Zugehörigkeit und Verbundenheit des Vereins mit der Gemeinde. Einfache Menschen und doch unvergessene Persönlichkeiten haben den Männergesangverein in diesem Zeitraum geprägt und Vereinsgeschichte geschrieben. Eine wechselvolle Geschichte, die hier nur in einem kurzen Abriss wiedergegeben werden kann.
1889 gründet der Pohler Lehrer Josef Schönberger mit 24 Sängern den Gesangverein "Cäcilia". Für Pohl ist das auch eine ganz ungewöhnliche ökumenische Leistung, weil damit der Gesangverein in Jahren heftigen konfessionellen Streits zwischen den beiden Kirchengemeinden erstmals eine gemeinsame Plattform für Männer unterschiedlicher Kirchenzugehörigkeit bietet. Die Gesangstunden finden über Generationen hinweg samstags abends im kleinen Saal des alten Pohler Rathauses statt. Gesungen wird nach Noten, die von den Sängern selbst handschriftlich in schwarze Notenbücher eingetragen werden - wobei der Dorfschullehrer manches Mal tatkräftig mithelfen muss. Die musikalische Leitung als Dirigenten übernehmen in den ersten 35 Jahren ganz selbstverständlich immer die jeweiligen "Pohler Schullehrer".
Alle Mann in vollem Einsatz fürs Waldfest
Sein 25-jähriges Bestehen kann der Gesangverein 1914 noch feiern, aber ein paar Tage nach diesem Jubiläum ist Krieg, und der lässt den Gesang vorerst verstummen. Es folgen acht schwere Jahre für den Verein, bis er sich schließlich 1922 neu formiert. Junge Sänger wachsen heran, und 1926 zählt der Gesangverein 36 Vereinsmitglieder, davon 24 aktive Sänger. Es geht aufwärts in den zwanziger Jahren. Erste Erfolge bei Sängerwettbewerben stellen sich ein und spornen die Sänger zu noch mehr Ehrgeiz und Leistung an.
In die Zeit des Nationalsozialismus fällt das 50-jährige Jubiläum des Vereins. Die Feierlichkeiten finden am 9. und 10. Juli 1939 in den Wiesen am "Nastätter Weg" statt, und wieder ist, wie bereits 25 Jahre zuvor, nur wenige Wochen später Krieg. Die Sänger werden einberufen und wieder kommt ein zeitweiliges Aus für die Sangestätigkeit.
1948 erhält der langjährige Vorsitzende, der Schuster Josef Klein, von der französischen Militärverwaltung die Genehmigung für einen aktiven Neubeginn des Vereins. Zum zweiten Mal nach einem Krieg sammelt er die Sänger neu und formt sie zu einem Chor. Auch der Dirigent ist neu. Er ist ein richtiger Pohler, heißt Martin Klein und kommt aus "Unneschoustersch", aus den eigenen Reihen. Es geht wieder aufwärts, und mit 40 Sängern erreicht der Chor 1951 personell den höchsten Stand in der Vereinsgeschichte.
Der wieder erstarkte Verein erlebt einen neuen Höhenflug. Theaterspiele werden aufgeführt, Tagesausflüge unternommen und das seit 1922 stattfindende Pohler Waldfest am ersten Wochenende im Juli wird zu einer festen und beliebten Einrichtung in der Region. Die Existenz des Männergesangvereins scheint gesichert und man kann glauben, stetigem Aufschwung stände nichts mehr im Wege. Doch die strukturellen Veränderungen der Nachkriegszeit und die zunehmende Motorisierung lassen die bisher enge Dorfgemeinschaft bröckeln. Die männliche Jugend hat anderweitige Interessen, ist für das Singen nicht mehr zu begeistern und Neuzugänge bleiben aus. Zum 75-jährigen Bestehen 1964 findet kein Fest statt und es kommen Zweifel auf, ob der Verein weiter existieren kann.
Dank der Vereinstreue der älteren Mitglieder bleibt der MGV zwar erhalten, aber es müssen auch neue Wege beschritten werden. Die jeweiligen Vereinsvorsitzenden lassen nichts unversucht, die Attraktivität zu steigern. Statt der bisherigen Tagesausflüge werden nun jährlich Drei- bzw. Viertagesfahrten bis in das benachbarte Ausland angeboten, die begeistert angenommen werden. Lothar Heinz ist hier treibende Kraft und Organisator.
Mit den beiden inzwischen gegründeten Ortsvereinen " Freiwillige Feuerwehr" und "Turn- und Sportverein" beginnt eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Mit Paul Klein, der nach dem Tode seines Vaters 1979 die musikalische Leitung übernimmt, bekommt der Verein einen jüngeren Dirigenten, der es versteht, Jugendliche zu aktivieren. 28 aktive Sänger zählt der Verein, als er unter Leitung seines Vorsitzenden Georg Maskus 1989 sein 100-jähriges Bestehen feiert. Unter Teilnahme des gesamten Dorfes und vieler ehemaliger Pohler wird dieses Jubiläum in einem Festzelt an der Kirchstraße begangen. Drei Tage lang, so wollen es die Pohler, wird ausgiebig gefeiert. Eröffnet wird das 100-jährige Jubiläum mit einem großen Festkommers am Freitag, dem 30. Juni. Ganz im Zeichen des Chorgesangs steht das Freundschaftssingen am Samstag, dem 1. Juli. Am Sonntag, dem 2. Juli, beginnt um 10 Uhr ein Jubiläums-Frühschoppen mit Liedvorträgen, Tanzeinlagen, viel Musik und Kaffee und Kuchen am Nachmittag. Ein großer Country- und Westernabend im vollbesetzten Festzelt lässt die Feierlichkeiten ausklingen. Ergänzt wird das Jubiläum durch ein bemerkenswertes Rahmenprogramm und eine große Ausstellung im Dorfgemeinschaftshaus zur Geschichte des Ortes und seines Männergesangvereins.
Ein Höhepunkt in der Geschichte des Pohler Männergesangvereins ist unbestritten die Verleihung der "Zelter-Plakette". Mit dieser in Deutschland höchsten staatlichen Auszeichnung für Chöre wurde der MGV am 28. Juni 1998 von Bundespräsident Richard von Weizsäcker geehrt.
Der Verein unternahm seither viel, um mit der Zeit zu gehen: Der MGV ist seit 1986 im Vereinsregister eingetragen. Das traditionelle Pohler Waldfest wurde durch einen Liederabend am Waldfestfreitag auf drei Tage erweitert. Der musikalische Frühschoppen am Waldfestsonntag erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Unter dem Motto "Zusammenarbeit dient allen" organisieren MGV, Feuerwehr, TuS und Gemeinde gemeinsam Veranstaltungen wie den jährlichen Familienabend, gestalten die Seniorenfeier und unterstützen sich gegenseitig bei eigenen Veranstaltungen. Gesangliche Höhepunkte sind in den neunziger Jahren die gemeinsamen Chorkonzerte der "Klein'schen Chöre" unter der Mitwirkung der von unserem Dirigenten Paul Klein geleiteten Chöre MGV "1886 Obertiefenbach", MGV "Concordia-Edelweiß Bettendorf", Kirchenchor Pohl und dem MGV "Cäcilia 1889 Pohl".
In eine tiefe Krise stürzt der Verein noch einmal am Jahrtausendwechsel: Lothar Heinz, überaus verdienter Vereinsvorsitzender, der seit 10 Jahren den Verein geführt und geprägt hat, hat mit seinem Stellvertreter Leo Perabo seit längerer Zeit den Rückzug aus der ersten Reihe der Verantwortlichen angekündigt. Nachfolger für ihre Ämter aber finden sich trotz intensivster Bemühungen und außerordentlicher Mitgliederversammlungen nicht. Nach 111 Jahren scheint das Ende des Vereins gekommen. Erst in einer bewegenden Sitzung am 12. Februar 2000 kann in letzter Minute eine Lösung gefunden werden, die Hoffnung für die Zukunft macht.
Klaus-Diethardt Birkholz aus Katzenelnbogen löst im Oktober Paul Klein als Chorleiter ab, der sich über zwei Jahrzehnte hinweg große Verdienste um den Verein erworben hat. Aus persönlichen Gründen will er sich vom Amt des Chorleiters zurückziehen und als Sänger weiterhin dabei bleiben. 2004 leitet er für eine Übergangszeit den Chor noch einmal, dann kommt mit Uwe Weiland ein junger Chorleiter, von dem man hofft, dass er in besonderem Maße auch Nachwuchssänger anspricht. Leider bleibt er nur ein Jahr, hilft aber dem Verein noch, einen ebenbürtigen Nachfolger zu finden: Eberhard Biebricher, ein begabter Chorleiter und Vollblutmusiker, der die Männer mit seiner ganz persönlichen Art sofort beeindruckt.
Wichtig wie die Qualität des Chorgesangs sind dem Verein auch die Pflege der Dorfgemeinschaft und die Geselligkeit. Die auf Grund ihrer Berufe, ihrer Herkunft, ihres Alters und ihrer Interessen oft so unterschiedlich erscheinenden Männer erleben derzeit viel Erfolg und Freude bei ihren etwa acht bis zehn Gast-Auftritten pro Jahr, bei den Ständchen innerhalb des Dorfes oder beim gemütlichen Beisammensein. Immer nach der Gesangstunde sitzen die Sänger noch eine Weile im Bürgerhaus bei einem Gläschen und freuen sich über jeden, der reinschaut und den Weg zu ihnen findet.
Die Weichen sind gestellt und die Chancen für den Verein stehen gut. Rund dreißig Sänger aller Altersgruppen mit einem erstaunlich hohen Anteil an Jugendlichen haben sämtlich Spaß an den gemeinsamen Gesangstunden und Auftritten. Der Altersdurchschnitt liegt derzeit unter 44 Jahren. Dem Verein ist es wichtig, diese Freude am Singen und der Geselligkeit in die Öffentlichkeit zu tragen und so auch andere zu begeistern. Deshalb sind alle eingeladen, locker und neugierig auf den Verein und seine Angebote zuzugehen und sich von seiner Qualität zu überzeugen.
Diese Foto unseres
Männergesangvereins entstand vor einiger Zeit beim traditionellen
"Geburtstagsessen" der aktiven Sänger an der Pohler Grillhütte.
Auch einige ältere Sänger sind noch auf dem Bild zu sehen,
die ihre aktive Laufbahn inzwischen beendet und jüngeren Sängern
Platz gemacht haben.
Sie wollen mehr wissen? Der Männergesangverein lädt Sie herzlich ein, ganz unverbindlich Kontakt aufzunehmen - in einer der wöchentlichen Gesangstunden, bei einem seiner Auftritte oder festlichen Aktivitäten. Wenden Sie sich an:
Mittelstraße 4
56357 Pohl
Tel. 06772/5528
(2.Vorsitzender)


