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Das Ortswappen
Pohl besaß bis in die jüngste Vergangenheit kein eigenes Wappen. Dennoch gibt es eine Vorgeschichte. Als man nach dem Zweiten Weltkrieg als Land und als Gemeinde wieder Fuß gefasst hatte und zunehmend selbstbewusst nach vorne schaute, da bot man auch Pohl ein Wappen an. Der Pfarrer Hermann Knodt aus Bad Nauheim gab 1954 ein "Hessisches Wappenbuch" heraus, in dem im Auftrage des Staatsarchivs in Wiesbaden die Archivräte Demandt und Renckhoff das Kapitel Ortswappen bearbeitet hatten. Sie hatten in diesem Buch für Pohl folgenden Wappenvorschlag:
Wappen-Vorschlag: Gespaltener Schild, vorne in Schw(arz) ein g(elbes) Flammenschwert, hinten in G(elb) eine r(ot) gezungte schw(arze) Schlange.
Diesem Vorschlag liegt das Sg mit der Umschr(ift) GERICHTS ZV POILL (Abdr.1568) zugrunde. Es zeigt den Erzengel Michael, der damit als Patron der Pohler Kirche ermittelt ist, im Kampf mit dem Drachen. Geflügelt und durch den Schild gestützt, schwingt er das Schwert gegen das als Schlange wiedergegebene Untier. Diesem Bild, das nicht als Wappen gelten kann, entnehmen wir die heraldisch verwendbaren Symbole, das Flammenschwert des Erzengels und die Schlange, und verbinden sie miteinander in wappengerechter Weise. - Später hat der aus der katzenelnbogischen Erbschaft an Hessen gelangte Ort kein Gerichtssiegel mehr geführt, und die nach seinem Anfall an Nassau (1816) geschaffenen Gemeindesiegel sind Schriftsiegel gewesen.
Diesen Wappenvorschlag hat man zwar dem Gemeinderat in Pohl vorgelegt, aber er hat keinerlei Interesse hervorgerufen. Wahrscheinlich war man im aufstrebenden, aber noch immer armen Nachkriegs-Pohl zu sehr mit seinen Alltagsproblemen beschäftigt. Außerdem konnten wahrscheinlich die Wenigsten etwas mit einem "Hessischen Wappenbuch" anfangen - gerade hatte man sich daran gewöhnt, nun zum neuen Bundesland Rheinland-Pfalz zu gehören. Und wahrscheinlich hatte nie jemand etwas von der Pohler Geschichte und von dem Siegel des Pohler Gerichtssitzes gehört. Heute ist man eher froh, dass dieser Wappenvorschlag nicht angenommen wurde. Wer hätte schon - ohne ironisch zu werden - bei Giftschlangen und Messerspitzen an Pohl denken wollen...
Das Ortswappen, das die Gemeinde seit 1992 im Schilde führt, knüpft an der Epoche an, die Pohl unverwechselbar machte und ihm den Namen gab: An der Römerzeit. Sie wird repräsentiert durch einen Wachtturm, wie er an mehreren Stellen in der Pohler Gemarkung gestanden hat, sowie durch drei Limespalisaden. Das Wappen wird ergänzt durch einen Löwenkopf. Mehr als 600 Jahre gehörte Pohl zu Herrschaftshäusern, die den Löwen im Wappen trugen - beginnend bei Graf Heinrich II. von Nassau, dem Pohl die urkundliche Ersterwähnung verdankt, über die Grafen von Katzenelnbogen und die von Hessen bis hin zum Herzogthum Nassau. Erst nach dessen Auflösung 1866 wehten über unserem Land die preußischen Adler bzw. die des Deutschen Reiches und der Bundesrepublik Deutschland.
Der Landrat des Rhein-Lahn-Kreises, Kurt Schmidt, genehmigte mit Urkunde vom 4. September 1992 aufgrund § 5 Absatz 1 der Gemeindeordnung von Rheinland-Pfalz diese Wappen. Hier wird das jetzt gültige Wappen in der für Wappen gebräuchlichen alten Sprache und Seitenverkehrtheit wie folgt beschrieben:
In Blau rechts ein goldener Limesturm, den zwei von drei wie eine Teilung schräglinks ansteigende silberne Palisaden überdecken. Die beiden linken Palisaden belegt von einem roten Löwenkopf.
Am 29. November 1992 wurde das Wappen in einer Feierstunde im Bürgerhaus "Zur alten Schule" von Bürgermeister Gerlach enthüllt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Albert Perabo, für dessen Wappenentwurf sich der Gemeinderat am 13. Juli 1992 einstimmig ausgesprochen hatte, ging in seiner Festrede auf die Entwicklung Pohls und seines Ortswappens ein. Eine Ausstellung zur Ortsgeschichte und zahlreiche Ehrengäste rundeten die Veranstaltung vor vollem Hause ab.
Zur Verbreitung trug anfangs auch ein Wettbewerb des Turn- und Sportvereins bei, der jedem eine Flasche Wein versprach, der von Geschäfts- oder Urlaubsreisen ein Foto mitbrachte, auf dem das Pohler Ortswappen zu sehen ist. Dabei entstand eine interessante Sammlung von Fotos aus vielen deutschen Städten, aus den meisten europäischen Ländern und aus allen Erdteilen - vom Nordkap bis nach Portugal, mit Bildern von der amerikanischen Freiheitsstatue und den Niagara-Fällen, mit dem Foto eines balinesischen Tempels und dem geöffneten Maul eines australischen Krokodils. Zur Verwurzelung in der Bevölkerung trugen weiterhin die Aktivitäten um das Jubiläumsjahr 1997 bei, als man das Wappen in vielfältiger Form in das Jubiläumsemblem, in Hinweistafeln an den Ortseingängen, in Briefköpfen, auf dem Etikett von Weinflaschen, auf Armbanduhren, am Bürgerhaus und in der heimatgeschichtlichen Schriftenreihe integrierte. Die Verwendung des Wappens in der Presse, in Vereinszeitung und Korrespondenz sowie durch die Vereine selbst ist inzwischen selbstverständlich.


